Der Felsriegel zwischen Meiringen und Innertkirchen, der Kirchet,
besteht hauptsächlich aus recht hartem Kalkstein. Dieser Fels
ist in der Kreidezeit vor etwa 130 - 60 Mio. Jahren entstanden
als Meeresablagerungen, die sich im Lauf der Zeit zu
Kalkgestein verfestigten (Sediment in der Thetis, des
Geosynklinalmeeres der Alpen). Bei der Bildung des alpinen
Massivs (Alpenfaltung) vor etwa 15 Mio. Jahren wurden diese
Sedimentschichten aufgewölbt als Sedimentmantel des kristallinen
Gebirges, aber das Gestein im Gebiet des Kirchets ist
autochthon, d.h. es wurde nicht verschoben und kaum verfaltet.
Der Kalkstein ist hier deshalb wenig zerklüftet und zerbrochen
und damit ziemlich resistent gegen Eis- und Wassererosion. Die
Gletscher der Eiszeiten, die vor etwa 1 - 2 Mio. Jahren
begannen, haben den Fels des Kirchet wohl abschliffen, aber
nicht abgetragen.
In der ersten warmen Zwischeneiszeit, als sich die Gletscher
zurückzogen, erodierte das Wasser eine Schlucht durch den
Felsen. In der darauf folgenden Kaltzeit stiess der Gletscher
erneut über den Kirchet vor. Dabei wurde die Schlucht mit Moräne
gefüllt. Beim Gletscherrückzug in der nächsten Wärmeperiode
schwemmte das Schmelzwasser nicht etwa das Moränenmaterial der
alten Schlucht aus, sondern erodierte eine neue Schlucht durch
den Fels. So entstanden in den Zwischeneiszeiten jeweils neue
Aareschluchten. Nach den detaillierten Beobachtungen von Müller
sind neben der heutigen noch fünf frühere Schluchten
festzustellen, die ganz oder teilweise mit Moräne gefüllt sind.
Die 'Lautere Schlauche', die beim Parkplatz des
Aareschlucht-Eingangs beginnt und die mehr oder weniger parallel
der heutigen Aareschlucht verläuft, ist ein gutes Beispiel
dafür. Es ist allerdings bis heute nicht gelungen, die
Entstehung der einzelnen Schluchten zu datieren und den
verschiedenen Eiszeiten zuzuordnen (Hantke, 1980).